EU und Kasachstan diskutieren Marktzugang für den Pharmasektor, Digitalisierung und Harmonisierung der Gesundheitsstandards

EU und Kasachstan diskutieren Marktzugang für den Pharmasektor, Digitalisierung und Harmonisierung der Gesundheitsstandards

Am 27. Februar 2026 fand in Astana die vierte Sitzung der Arbeitsgruppe EU–Kasachstan zum Marktzugang im Gesundheitswesen und zur Gesundheitspolitik statt.
An der Sitzung nahmen die Ministerin für Gesundheitswesen der Republik Kasachstan, Akmaral Alnasarowa, die Botschafterin der Europäischen Union in Kasachstan, Aleška Simkič, der Leiter der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Zentralasien, Eduard Kinsbruner, der Leiter der Wirtschaftsabteilung und stellvertretende Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Ulrich Kinne, sowie Vertreter des diplomatischen Korps und führender europäischer Pharmaunternehmen teil.

Die Sitzung fand im Rahmen eines institutionellen Dialogs zwischen staatlichen Stellen und der europäischen Wirtschaft statt.
Die Arbeitsuntergruppe wird von der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Zentralasien (AHK Zentralasien) gemeinsam mit der Delegation der Europäischen Union in der Republik Kasachstan koordiniert und vom Verband der Deutschen Wirtschaft in der Republik Kasachstan (VDW) sowie der Deutschen Botschaft in Astana unterstützt.

Dieses Format gewährleistet eine systematische und sachorientierte Bearbeitung von Fragen der Regulierung des Pharmamarktes und des Zugangs zu medizinischen Technologien.

Annäherung der pharmazeutischen Standards und Zugang zu Therapien

Zentrales Thema der Sitzung war die schrittweise Annäherung des kasachstanischen Regulierungssystems an die europäischen pharmazeutischen Standards. Diskutiert wurden unter anderem beschleunigte Zulassungsverfahren für Arzneimittel, die bereits von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (European Medicines Agency, EMA) zugelassen sind, die Harmonisierung der Qualitätskontrolle, der Ausbau der Pharmakovigilanz sowie die Digitalisierung von Prozessen im Gesundheitswesen.

Das Gesundheitsministerium der Republik Kasachstan hob hervor, dass bestehende Mechanismen zur beschleunigten Registrierung von Arzneimitteln, die von Regulierungsbehörden in Ländern mit etablierten Zulassungssystemen genehmigt wurden, auf einen schnelleren Marktzugang für innovative Medikamente und eine Stärkung des Wettbewerbs im Pharmasektor ausgerichtet sind.

Ein besonderer Fokus lag auf der Ausweitung des Zugangs zu Arzneimitteln im Rahmen des Garantierten Umfangs der kostenfreien medizinischen Versorgung (GOBMP) sowie des obligatorischen sozialen Krankenversicherungssystems (OSMS). Große Aufmerksamkeit galt zudem der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit seltenen (orphanen) Erkrankungen, einschließlich der Erweiterung der verfügbaren Arzneimittellisten und dem Abbau regulatorischer Hürden bei der Lieferung entsprechender Präparate.

Digitalisierung der Beschaffung und Kontrolle der Budgeteffizienz

Ein weiterer wichtiger Diskussionsblock war die digitale Transformation der Arzneimittelversorgung. Das Gesundheitsministerium erklärte, dass zusätzliche Beschaffungsvolumina in der Vergangenheit teilweise ohne vollständige Informationen über die tatsächlichen Lagerbestände in regionalen medizinischen Einrichtungen gebildet wurden.

Gleichzeitig wurde betont, dass die Einführung elektronischer Rezepte, digitaler Beschaffungsverfahren und der Arzneimittelkennzeichnung bereits messbare fiskalische Effekte erzielt und die Transparenz des Marktes deutlich erhöht hat.

Darüber hinaus wurde der Übergang des ambulanten Arzneimittelversorgungssystems zu einer patientenbezogenen, individualisierten Bedarfserfassung hervorgehoben. Die Planung der Bedarfe erfolgt zunehmend auf Basis individueller Patientendaten anstelle historischer Verbrauchswerte, was eine bedarfsgerechte Planung „von unten nach oben“ ermöglicht und das Risiko von Engpässen oder Überbeständen reduziert.

Position der Wirtschaft

An der Sitzung beteiligten sich Vertreter führender internationaler Pharmaunternehmen, darunter Bayer KAZ, Boehringer Ingelheim, AstraZeneca Kazakhstan, Johnson & Johnson Innovative Medicine, STADA Eurasia, Ratiopharm Kazakhstan, Gedeon Richter KZ, Takeda Kazakhstan und HiLife.

Die Unternehmen decken ein breites Spektrum ab – von innovativen und orphanen Therapien bis hin zu Generika und hochmodernen technologischen Lösungen –, was eine umfassende Betrachtung des Marktzugangs aus unterschiedlichen Perspektiven ermöglichte.

Im Verlauf der Sitzung wurden detailliert Fragen der Regulierung orphaner Arzneimittel, Zuzahlungsmechanismen, Reformen der Preisbildung sowie Risiken im Zusammenhang mit der Einführung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel erörtert. Vertreter der Wirtschaft verwiesen auf die Notwendigkeit der rechtlichen Kontinuität bereits getroffener Entscheidungen, die Beseitigung regulatorischer Unstimmigkeiten sowie die Schaffung nachhaltiger Versorgungsmechanismen, auch für neu diagnostizierte Patientinnen und Patienten.

Übereinstimmend wurde betont, dass die Vorhersehbarkeit der Regulierung und eine zeitnahe Anpassung des Rechtsrahmens entscheidende Voraussetzungen für eine kontinuierliche Versorgung und eine langfristige Präsenz von Unternehmen auf dem Markt sind.

Vertreter innovativer Pharmaunternehmen hoben die Bedeutung beschleunigter und verlässlicher regulatorischer Verfahren für den Marktzugang moderner Arzneimittel hervor, insbesondere in den Bereichen Onkologie, Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen und seltene Krankheiten. Die Angleichung nationaler Anforderungen an europäische Standards wurde als wichtiger Faktor zur Reduzierung regulatorischer Risiken und zur Steigerung der Investitionsattraktivität des Marktes bezeichnet.

Unternehmen aus dem Bereich der generischen und sozial relevanten Arzneimittel wiesen wiederum auf die Notwendigkeit eines ausgewogenen Ansatzes in der Preisregulierung und der staatlichen Beschaffung hin. Nach Einschätzung der Unternehmen hängen Versorgungssicherheit und langfristige Marktpräsenz maßgeblich von stabilen steuerlichen Rahmenbedingungen, transparenten Preisbildungsregeln und einer regelmäßigen Aktualisierung der gesetzlichen Grundlagen ab.

Ein gemeinsamer Standpunkt der Wirtschaft war, dass regulatorische Vorhersehbarkeit und ein offener Dialog mit staatlichen Stellen Schlüsselfaktoren für die Sicherstellung der kontinuierlichen Arzneimittelversorgung und die Umsetzung langfristiger Investitionsprojekte sind – sowohl im Bereich der Lokalisierung von Produktionskapazitäten als auch bei der Entwicklung klinischer Studien und der Einführung innovativer Therapien.

Seitens des Gesundheitsministeriums wurde darauf hingewiesen, dass bereits umgesetzte Reformen in der Preisregulierung und im öffentlichen Beschaffungswesen zu einer höheren Effizienz bei der Verwendung öffentlicher Mittel beigetragen haben. So überstieg die Einsparung bei den Beschaffungen des staatlichen Einheitsdistributors SK‑Pharmacia 75 Milliarden Tenge, was auf eine erhöhte Transparenz und optimierte Beschaffungsverfahren zurückgeführt wurde.

Zum Abschluss der Sitzung bestätigten die Parteien ihre Bereitschaft, den regelmäßigen Dialog im Rahmen der Arbeitsgruppe EU–Kasachstan fortzusetzen und konkrete regulatorische Lösungen weiter auszuarbeiten.

Die vierte Sitzung zeigte, dass die Arbeitsgruppe – unter der Koordination der AHK Zentralasien, der EU‑Delegation, des VDW und der Deutschen Botschaft – zu einem stabilen Instrument für die Abstimmung regulatorischer und wirtschaftlicher Entscheidungen geworden ist, von denen der Zugang der Patientinnen und Patienten zu moderner Therapie sowie die Investitionsattraktivität des kasachstanischen Pharmamarktes unmittelbar abhängen.